Do it yourself! - Empowerment von Geflüchteten

Beobachtungen aus der vereinseigenen Beratung für Geflüchtete sowie Gespräche mit den Flüchtlingssozialarbeit_innen zeigen, dass die Betreuungs- und Unterstützungsangebote des Öfteren auch von Personen in Anspruch genommen werden, die entweder eine Bleibeberechtigung haben oder schon mehrere Jahre in Deutschland leben. Insbesondere suchen sie (teils trotz vorhandener Deutschkenntnisse) Unterstützung beim Ausfüllen diverser Formulare (z.B. Jobcenter-, Kindergeld-, BuT-Antrag), was derzeit in der Regel von den Sozialarbeiter_innen erledigt wird, aber für diese eigentlich einen hohen Zeitaufwand darstellt, zumal diese Tätigkeit nicht in ihrem Betreuungsschlüssel einkalkuliert ist. Aufgrund der Wohnsitzverpflichtung werden in Zukunft vermehrt Personen mit einer Aufenthaltsberechtigung im Landkreis wohnen bleiben, wodurch mit einer ansteigenden Nachfrage zur Unterstützung zu rechnen ist. Der Verein bezweifelt jedoch die Nachhaltigkeit, wenn den Hilfesuchenden diese Alltagsaufgaben stets durch Dritte abgenommen werden. Es entstehen Abhängigkeiten, die einer Integration im Wege stehen können. Besonders im Hinblick auf die Integration muss von nun an die Hilfe zur Selbsthilfe mehr in den Vordergrund gerückt werden. Die Hilfebedürftigen sollen langfristig dazu bemächtigt werden, sich wiederholenden bürokratischen und behördlichen Anforderungen alleine und selbstständig stellen zu können. Dahinter steht ein mehrstufiger Lernprozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen kann und begleitet werden muss. Vielen Migrant_innen muss zunächst die (aufgebaute) Angst genommen und aufgezeigt werden, warum es für sie (und ihre Familie) wichtig ist sich dieser Anforderung selbstständig stellen zu müssen. Der Hintergrund sowie Inhalt einzelner Anträge und Formulare muss erläutert werden, um deren Zweck und Bedeutung verständlich zu machen. In diesem Zusammenhang lassen sich nicht nur behördliche Strukturen und Zuständigkeiten erläutern, sondern zugleich kann im Allgemeinen die Funktion des Sozialhilfesystems als eine vorübergehende staatliche Unterstützungshilfe hervorgehoben werden. Neben der Hilfe zur Selbsthilfe zielt die geplante Maßnahme auf die Entlastung der Flüchtlingssozialarbeit (und falls in Zukunft vorhanden auch der Migrationsberatung) und soll vermeiden, dass minderjährige Kinder mit besseren Deutschkenntnisse die Verantwortung ihrer Eltern übernehmen. Da viele Abläufe und Strukturen für in Deutschland sozialisierte Personen gängig und alltagsnah sind, sollen des Weiteren gezielt Ehrenamtliche gewonnen werden, die regelmäßig zu den geplanten Sprechzeiten präsent sind. Wöchentlich sollen mindestens zwei Engagierte vor Ort sein.

Jeden Mittwoch werden sich die beiden Mitarbeiterinnen für je zwei Stunden am Vormittag und Nachmittag (um auch Integrationskursteilnehmer_innen das Angebot zugänglich zu machen) die Zeit nehmen, gemeinsam mit Migrant_innen Anträge/Formulare auszufüllen und ihnen deren Inhalt und Zweck zu erläutern. Sie bekommen gezeigt, wie sie in Deutschland einen Brief verschicken (z.B. Wo steht auf dem Brief der Absender/Empfänger?) und wie sie wiederkehrende Aufgaben selbst erledigen können (z.B. Wie schicke ich eine Befreiung an die GEZ? Wie fülle ich einen Überweisungsträger aus? Wie führe ich ein Konto?). Das Angebot umfasst ferner das Ordnen von Briefen, die viele erfahrungsgemäß vollkommen unsortiert in Plastiktüten mit sich herumtragen. Die Mitarbeiterinnen stellen ein Ordnungssystem vor, mit dem sie den Überblick behalten können. Gemeinsam werden Mappen angelegt, in denen die Briefe thematisch sortiert und eventuell mit einer kurzen Notiz in der jeweiligen Landessprache beschriftet sind. Damit behalten nicht nur sie selbst den Überblick, auch können sich Sozialarbeiter_innen schneller orientieren.

Ankündigung Deutsch

Do it yourself! - Dein Weg zur Selbstständigkeit

Möchtest du lernen wie man alleine Anträge schreibt, Überweisungen macht oder einen Brief schickt? Hast du Zuhause viele Tüten voll mit Briefen und möchtest lernen diese zu ordnen? Dann bist du bei uns genau richtig. Wir bieten jeden Mittwoch unsere Unterstützung an und erklären:

Jeden Mittwoch von 14-16 Uhr bei Bon Courage e.V. in Borna (Kirchstraße 22). Anmeldung wird erwünscht.

Ankündigung Englisch

*Do it yourself! – Your Way out of Dependency"

Do you want to learn how to fill in application forms on your own, how to make a money transfer or send a letter? Do you have piles of letters lying around and want to organize them?

We can help you. Every Wednesday we offer support and explain the following points to you:

Every Wednesday between 2-4 p.m. at the Bon Courage office (Kirchstraße 22). Please try to make an appointment in advance.