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Alltagsheldinnen 2026

Der Internationaler Frauenlauf Borna ist in vielerlei Hinsicht keine Laufveranstaltung im klassischen Sinne. Eines der Hauptanliegen ist, Frauen zusammen zubringen, zu empowern und sie sowie ihren Themen im öffentlichen Raum eine Bühne zu bieten. Zum 7. Internationalen Frauenlauf 2026 haben wir uns erstmals dazu entschieden, die drei Hauptläufe jeweils einer Frau zu widmen, die sich in besondere Weise für andere engagieren.

Die Nominierung der Alltagsheldinnen erfolgte hierbei einmal durch die Lebenshilfe Borna e.V., den Bornaer Arbeitskreis Soziales Inklusion und Senioren (BASIS) sowie unserem Bon Courage e.V..

Im Folgenden möchten wir die Alltagsheldinnen von 2026 und ihr Engagement näher vorstellen. In kurzen Interviews haben sich

selbst näher vorgestellt.

Tirhas Fishaye
Namensträgerin des 5km-Laufs

Das Porträt zeigt eine junge Frau mit offenen Blick in die Kamera und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Sie lehnt an einem Baumstamm und wirkt sehr selbstbewusst. Sie trägt einen weißen Rollkragenpullover sowie große Griolen.
Tirhas Fishaye, März 2026.

Was genau umfasst dein Engagement?
Ich bin schon viele Jahre mit dem Verein Bon Courage verbunden und dort ehrenamtlich engagiert. Seit einiger Zeit organisiere ich hauptverantwortlich das Frauen-Sprachcafé. Das findet mindestens zweimal im Monat statt. Das heißt, ich bereite zum Beispiel die Treffen vor, überlege mir Inhalte, bin Ansprechpartnerin und kümmere mich danach darum, dass der Raum aufgeräumt ist. Es kommen immer sehr viele verschiedene Frauen in das Sprachcafé. Gemeinsam sprechen wir dort alle miteinander Deutsch. Manchmal unterhalten wir uns zum Beispiel darüber, wie das Leben in Deutschland ist und was uns daran besonders gefällt. Wir tauschen uns auch aus, wie wir unsere Sprache weiter verbessern können.

Was treibt dich in deinem Engagement an?
Es gefällt mir einfach sehr gut, dass es bei Bon Courage die Möglichkeit gibt viele unterschiedliche Menschen zu treffen, gemeinsam zu lernen und sich auszutauschen. Es kommen dort immer viele verschiedene Menschen zusammen. Ich lerne dort aber nicht nur neue Menschen kennen, sondern ich lerne auch immer viele neue Dinge für mich selbst. Es gefällt mir, dass ich dort Respekt, Liebe und Freundschaft finde. Alles gibt mir Kraft und Motivation. Ich fühle mich dort unterstützt und nicht alleine. Es ist auch einfach besser, als nur Zuhause zu sitzen, denn ich bin aktiv, verbessere mein Deutsch und bekomme mehr Selbstvertrauen.

Gibt es für dich in Rahmen deines Engagements auch Herausforderungen, Barrieren oder Hindernisse?

Bisher hatte ich zum Glück keine großen Probleme oder so. Manchmal ist die Sprache für mich aber schon eine Herausforderung. Es ist manchmal schwierig, alles zu verstehen oder richtig und ohne Fehler zu sprechen. Natürlich kann auch Geld ein Problem sein, besonders wenn man Familie hat. Ich bin alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Das ist natürlich nicht immer leicht.

Kannst du eine schöne Erinnerung oder Geschichte teilen, die du im Rahmen deines Engagements erlebt hast?
Eigentlich habe ich nicht nur eine, sondern viele schöne Erinnerungen. Besonders schöne Momente verbinde ich mit dem Frauen-Sprachcafé, weil ich dort mit anderen Frauen spreche und wir viel zusammen lachen. Einmal sagte eine Frau zu mir, dass ich sehr stark und freundlich bin. Das hat mich sehr berührt und glücklich gemacht. Neben dem Frauen-Sprachcafé gibt es auch noch andere Projekte und Veranstaltungen, die mir gefallen. Zum Beispiel erinnere ich mich gerne an die Frauenkonferenzen, weil ich da nicht nur neue Menschen kennenlernen und interessante Geschichten von anderen höre, sondern mich auch weniger alleine fühle.

Was würdest du anderen Frauen raten, die sich durch dich als Alltagsheldin inspiriert fühlen und überlegen sich auch zu engagieren?
Um am Anfang nicht so alleine zu sein, empfehle ich sich mit anderen Frauen oder Gruppen zu treffen. Dort kann man nicht nur die Sprache nutzen und verbessern, sondern sich über verschiedene Ideen austauschen. Viele Menschen haben viele Ideen. Es ist einfach toll eine eigene Gruppe zu haben und zu teilen. Besonders das gemeinsame Teilen ist das Beste.

Was möchtest du den Frauen da draußen gerne sagen?
Ich möchte allen Frauen sagen, dass sie stark sind. Wir können uns gemeinsam motivieren und es macht einfach Spaß gemeinsam aktiv zu sein.

Katharina Hupfer
Namensträgerin des 2km-Laufs

Das Porträt zeigt eine junge, weiblich gelesene Person mit kurz geschnittenen blonden Haaren, die hinten etwas länger sind. Sie lächelt direkt in die Kamera und wird von der Sonne angeleuchtet. In der Lippe und Augenbraue hat sie ein Piercing.
Katharina Hupfer, März 2026.

Was genau umfasst dein Engagement?
Ich biete in den besonderen Wohnformen der Lebenshilfe Borna e.V. regelmäßig Sport- und Bewegungsangebote an, zum Beispiel Spaziergänge in und um Borna oder kleinere Spritztouren mit unserem Paralleltandem. Außerdem nehmen wir gemeinsam an regionalen Sportveranstaltungen teil, wie dem Internationalen Frauenlauf oder dem Zwiebel- und Jubiläumslauf. Wir sind zudem auch immer beim An- und Abradeln der Tretpiraten dabei. Ich fühle mich meist für die Vorbereitung unserer Bewohner und Bewohnerinnen auf diese Veranstaltung verantwortlich und stecke hier viel Zeit hinein. Darüber hinaus erarbeite ich mit den Bewohner und Bewohnerinnen Ideen für gemeinsame Ausflüge und Unternehmungen, die wir dann im Kollegium zusammen planen und versuchen in die Tat umzusetzen.

Was treibt dich in deinem Engagement an?
Ich persönlich habe zum einen ein sehr hohes Energielevel. Zum anderen fühle ich mich motiviert, durch Bewegung und Sport bei anderen einen gesunden Lebensstil zu fördern und die Freude daran zu entfachen. Zudem ist es mir ein Anliegen aufzuzeigen, dass Menschen mit Behinderung an vielen Aktivitäten teilnehmen möchten und dies auf ihre eigene Art und Weise auch können.

Was motiviert dich persönlich?
Mich motivieren vor allem die schönen Momente, die wir gemeinsam erleben dürfen. Besonders sind für mich auch die Momente, in denen Menschen mit Handicap in Kontakt mit anderen Menschen kommen, ernst genommen werden und Wertschätzung erfahren.

Warum lohnt es sich deiner Meinung nach sich zu engagieren bzw. was denkst du, was frau durch ein Engagement gewinnen kann?
Persönlich stärkt das Engagement mich und meinen Charakter. In Bezug auf fremde Menschen bin ich normalerweise eher schüchtern. Um jedoch meine Ideen und Vorhaben für und mit Menschen mit Behinderung umsetzen zu können, muss ich dies überwinden und selbst über Grenzen gehen. Dies wirkt sich wiederum positiv auf mein eigenes Leben aus, da ich dies viel bewusster und erfüllter gestalte.
Des Weiteren lohnt sich ein Engagement, weil damit etwas bewirkt werden kann. In meinem Fall heißt das, dass Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft sichtbarer werden und Anerkennung erfahren.
Im Allgemeinen glaube ich, dass Frauen durch ein Engagement aktiv Einfluss auf ihr Umfeld nehmen und die Gesellschaft mitgestalten können. Auf persönlicher Ebene können sie ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeiten weiter entwickeln. Zudem denke ich, dass sie am Ende auch zu Vorbildern für andere werden können und so dafür sorgen, dass sich mehr Menschen engagieren.

Hast du einen Rat für Frauen, die darüber nachdenken sich zu engagieren?
Ich denke es ist wichtig, für sich selbst etwas zu finden, für was man brennt und mit dem man quasi bei anderen ein Feuer entfachen kann. Auch denke ich, dass man gar nicht so lange darüber nachdenken, sondern einfach anfangen und machen sollte.

Gibt es für dich in Rahmen deines Engagements auch Herausforderungen, Barrieren oder Hindernisse?
Ich habe über diese Frage sehr lange nachgedacht und komme letztendlich zu dem Entschluss, dass ich bisher Glück hatte bzw. positive Erfahrungen machen durfte. Mir wurden nie irgendwelche Steine in den Weg gelegt, sondern vielmehr wurde ich bei meinen Vorhaben stets unterstützt. Sicherlich wird es ab und zu Hindernisse gegeben haben, jedoch war das nichts, was nicht überwunden werden konnte oder sich mir negativ im Gedächtnis eingebrannt hat.

Hast du zum Abschluss noch eine schöne Erinnerung oder Geschichte, die du im Rahmen deines Engagements erlebt hast?
Eine gute und aktive Vorbereitung auf den Frauenlauf ist für uns alle sehr wichtig. Die Vorbereitung sieht in der Regel so aus, dass wir uns um den Breiten Teich herum bewegen. In vorheriger Absprache lasse ich dies jedoch alle Beteiligten so selbständig wie möglich durchführen. Manche von den Frauen wollen es eher mit Joggen probieren, andere mit zügigem Laufen, wiederum andere in ihrem Rollstuhl ohne die Inanspruchnahme von Hilfe. Für alle ist das stets eine große Anstrengung, über die wir uns dann am Ende jeder Trainingseinheit noch einmal gemeinsam austauschen. In diesen Erfahrungsaustauschrunden blicke ich immer wieder in sehr glückliche und zufriedene Gesichter. Manche teilen dann, dass sie mit anderen Passant*innen ins Gespräch kamen. Oder dass ihnen Hilfe angeboten wurde, die sie aber lächelnd abgelehnt haben, da sie ja schließlich für den Frauenlauf trainieren wollen, was sie zwar an ihre Grenze bringt, aber was sie dennoch alleine schaffen wollen.
Für mich gibt es nicht die eine schöne Geschichte. Für mich sind es vielmehr die alltäglichen oder manchmal nicht alltäglichen Momente, die das Selbstbewusstsein stärken und Freude machen, sowohl bei Menschen mit Behinderung, als auch für mich ganz persönlich.

Katrin Kräcker
Namensträgerin des 5km-Nordic-Walking-Laufs

Das Porträt einer weiblich gelesenen Person mittleren Alters, kürzeren Haaren und einer Brille, lächelt leicht an der Kamera vorbei. Sie trägt ein rotes Polo-Short und eine weiße Jacke drüber. Sehr verschwommen sind im Hintergrund Bücher, Aktenordner und Zettel zu erkennen.
Katrin Kräcker, April 2026.

Du wurdest von dem Bornaer Arbeitskreis Soziales Inklusion und Senioren (BASIS) wegen deines Engagements und Einsatzes für andere als Alltagsheldin nominiert. Was genau umfasst dein Engagement denn alles?
Hauptsächlich bin ich in und um Borna aktiv. Als hier in Borna niedergelassene Hausärztin versuch ich mich für die Gesundheit unserer Bürger stark zu machen, dies gestalte ich durch meine Vorstandstätigkeit in der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM e.V.), das Netzwerken der Ärzte untereinander (Qualitätszirkel), aber auch dem Thema Gesundheitsregion. Dabei sind mir die Themen Aus- Fort und Weiterbildung von Ärztlichen und Nichtärztlichen Personal ebenso wichtig.

Zum einen stehe ich dem Verein für Städtepartnerschaften Borna e.V. vor, hier pflegen wir vor allem die Freundschaft zur Partnerstadt Étampes, aber kooperieren auch immer wieder mit der ukrainischen Gemeinschaft der Partnerstadt Irpin. Die Europäische Gemeinschaft ist ein hohes Gut.
Daneben bin ich bei den Tretpiraten aktiv, deren Slogan „ Cycling for Charity“ empfi nde ich als einen tollen Anspruch, hier sind Sport und Fürsorge mit einander verbunden.

Ich bin Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Emmauskirchgemeinde in Borna, hier bringe ich mich punktuell ein. Darüber hinaus bin ich insbesondere lokalpolitisch aktiv, bin Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU in Borna, Mitglied der Frauenunion im Landkreis und im Landesfachausschuss für Gesundheit. Als Stadträtin der CDU bin ich in verschiedenen Ausschüssen und Arbeitsgruppen tätig.

Was treibt dich an und was motiviert dich zu engagieren? Warum lohnt es sich deiner Meinung nach sich zu engagieren und was kann frau dabei gewinnen?
Ich denke es lohnt sich der Einsatz für unsere Heimat, für die Menschen am Ort, für das Miteinander. Als Frau gewinne ich in meinen Ämtern immer wieder die Möglichkeit meine eigenen Erfahrungen einzubringen, die Dinge inhaltlich kreativ zu befüllen und zu zeigen, dass Frauen eigene gestandene
Persönlichkeiten sind.

Kannst du eine schöne Geschichte teilen, die du im Rahmen deines Engagements erlebt hast?
Ach herrjeh! Es sind so viele tolle Begegnungen, die man erlebt, das schönste ist mir immer, wenn wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen und das gelingt. Wir durften zur olympischen Flamme nach Étampes, das war sehr eindrucksvolle und bleibende Erinnerung.

Gibt es für dich in Rahmen deines Engagements auch Herausforderungen, Barrieren oder Hindernisse? Wenn ja, welche sind das und wie könnten man die ändern?
Ich bedaure, dass häufig die Frauen selbst es sind, die aus manch konservativen Ansichten und Denken nicht herauskommen. Ich finde es überhaupt nicht falsch, wenn sich innerhalb von Familien und Gruppen bestimmte Rollen
entwickeln, jedoch kritisiere ich, wenn diese als gesetzt gelten und ein Abweichen so gar nicht machbar erscheint.

Was würdest du anderen Frauen raten, die sich von dir als Alltagsheldin inspiriert fühlen und sich gerne engagieren wollen?
Geht auf andere Frauen zu, die ihr in ihrem Engagement wahrnehmt, hinterfragt eure eigenen Wünsche und Interessen und geht denen nach. Ihr seid Teil dieser Gesellschaft, also versucht auch mitzugestalten und damit auch Einfluss auf Inhalte zu nehmen, die euch wichtig sind.

Was möchtest du den Läuferinnen beim Frauenlauf gerne sagen?
Laufen aktiviert Körper und Geist, der Vorteil ist, man kann es immer und überall ohne großes Zubehör. Sich als Gruppe so zu zeigen stärkt jede einzelne!

Was möchtest du den Frauen da draußen gerne sagen?
Lasst euch nicht sagen, was ihr angeblich nicht tun könnt.