Ladykracher - Internationale Frauengruppe Borna

Anlässlich des 'Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen' fand im November 2013 erstmals ein Gespräch zwischen Asylsuchenden und lokal einflussreichen staatlichen sowie zivilgesellschaftlichen Akteurinnen aus dem Landkreis Leipzig statt, bei dem durch die anwesenden Asylbewerberinnen speziell der Wunsch nach Möglichkeiten einer regelmäßigen Begegnung zum unterstützten Austausch untereinander, und mit Frauen aus Borna, geäußert wurde. Im Januar 2014 wurde daraufhin die Internationale Frauengruppe 'Ladykracher' ins Leben gerufen, die sich seither in regelmäßigen Abständen für gemeinsame Unternehmungen und Gespräche trifft (z.B. Weihnachtsfeier, Gemeinsames Basteln, Gespräche mit Politikerinnen). Es nehmen regelmäßig zwischen zwölf und zwanzig Frauen aus Borna an den Treffen teil.

Der interkulturelle und interreligiöse Austausch trägt zum Abbau von Vorurteilen und Berührungsängsten bei und stärkt ein tolerantes Miteinander zwischen Asyl suchenden und einheimischen Frauen, wobei letztgenannte insbesondere für die Lebenssituation Geflüchteter sensibilisiert werden. Im strukturschwachen Landkreis leistet das Angebot einen Beitrag zur Willkommenskultur und unterstützt die Integration Asylsuchender. Durch den Empowerment-Ansatz schafft das Projekt Möglichkeiten zur Eigeninitiative sowie Selbstorganisation und fördert verschiedene Kompetenzen, mitunter den Erwerb der deutschen Sprache. Vielmehr bekräftigt es das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen und vermittelt Wertschätzung. Es schärft zudem das Bewusstsein für die individuellen Möglichkeiten in einer demokratischen Gesellschaft. Die Frauen lernen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Teilhabe und Mitgestaltungen kennen. Die Gruppentreffen bieten Gelegenheit, Alltagsprobleme zu thematisieren sowie sich über Fragen der Erziehung, Umgang mit Konflikten und zur Rolle als Frau auszutauschen. Das Projekt erschließt niederschwellige Zugangswege zu Hilfen im Alltagsleben. Die Kontinuität der Gruppentreffen macht das Projekt so erfolgreich. Im Projekt geht es um Wissensvermittlung, Alltagsbewältigung und Empowerment. Mit Unterstützung einheimischer Frauen lernen die Asylsuchenden lokale Strukturen besser kennen und werden mit den Möglichkeiten vertraut gemacht, welche die Region bietet. Da die Gruppentreffen in der Regel in Borna stattfinden, kann besonders hier eine Integration in die Stadtgemeinschaft verzeichnet werden. Das Projekt mit seinem interkulturellen Begegnungscharakter ist in der Stadt Borna einmalig. Die teilnehmenden Frauen sind zusätzlich über eine geschlossene Facebook vernetzt, die zum Austausch von Neuigkeiten, Terminen und nicht zuletzt auch Rezepten aktiv genutzt wird.

Strickgruppe

Die Frauengruppe trifft sich in der Regel in dem Kirchencafé Offenkundig, wo eine Mitarbeiterin Anfang 2015 auf die Gruppe aufmerksam wurde und sie zu einem monatlichen Strickcafé einlud. Seitdem wird dieses von den Teilnehmenden regelmäßig aufgesucht. Anfangs waren alle noch sehr verhalten, doch mit der Zeit sind die Hemmungen gefallen und mittlerweile tauschen sich alle Frauen über unterschiedliche Strick- und Häkeltechniken aus. Die Begegnung und der Dialog finden auf einer ganz niederschwelligen Ebene statt, doch das gemeinsame Interesse am Stricken und Häkeln lässt es gelingen. Das gemeinsame Interesse bietet die Grundlage, auf derer weitere Gemeinsamkeiten gefunden werden. So gab es unter dem Motto 'Ich koch für dich und du kochst für mich' im Rahmen der Interkulturellen Wochen 2015 einen gemeinsamen Kochabend, wo die Frauen sich noch einmal auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen konnten.

Beispiele für bisherige gemeinsame Unternehmungen:

Ausflug in den Leipziger Zoo, Oster- und Weihnachtsbasteln, Kremserfahrt, Weihnachtsparty...

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Freude über Ostergeschenke, April 2015.
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Vorbereitung für die NoGida-Kungebung in Borna, Juni 2015.
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Vorbereitung für die NoGida-Kungebung in Borna, Juni 2015.
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Basteln von Sorgenpüppchen, Juli 2015.
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Abstimmung: Welche Sehenswürdigkeiten wollen wir beim Ausflug nach Berlin besichtigen?, März 2016.

Am 02. November 2015 wurden die Ladykracher von der Bundesministerin für Umwelt, Barbara Hendricks mit dem Preis 'Menschen und Erfolge 2015' ausgezeichnet. Von dem Preisgeld wird ein Tagesausflug nach Berlin finanziert werden.

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Zur Preisverleihung in Berlin. Copyright Milena Schlösser/BMUB, 2015.