Konzept für ein Sprachmittler_innen-Pool

Ohne ehrenamtliches Engagement würde in vielen Bereichen selbst die Grundversorgung eines Großteils der Neuankommenden in Deutschland nicht funktionieren. Das in diesem Zusammenhang offensichtliche Spannungsfeld ist fatal: Ehrenamtliche kompensieren nicht selten politische Versäumnisse, was letztlich den Handlungsdruck auf Entscheidungsträger_innen nimmt. Auf lange Sicht besteht die Gefahr, dass von vornherein auf ehrenamtliche Strukturen gebaut wird und überhaupt keine Professionalisierung mehr stattfindet. In besonders hohem Maße ist der Bereich der Sprachmittlung betroffen. Oftmals übernimmt aus einer Verständigungsnot heraus jede mehr oder weniger bilinguale Person (meistens Verwandte oder Bekannte, darunter auch Minderjährige), Sprachmittlungsaufgaben. Doch der Einsatz nicht-professioneller Sprachmittler_innen ist aus verschiedenen Gründen höchst problematisch, u.a. wenn das Ehrenamt von verschiedenen Institutionen und Trägern ohne entsprechende Aufwandsentschädigung überstrapaziert wird, nicht-qualifizierte Sprachmittler_innen fatale Fehler machen und ihre Kompetenzen im Allgemeinen überschätzt werden. Wie die wertvolle Ressource dieser ehrenamtlichen Sprachmittler_innen im Landkreis Leipzig effizient und nachhaltig genutzt werden könnte, hat der Verein in einem Konzept für einen landkreisweiten Sprachmittler_innen Pool erarbeitet.

In mehreren Workshops haben Vertreter_innen verschiedener Träger_innen im Rahmen des Projektes ihren Bedarf sowie grundlegende Ansprüche an einen Sprachmittler_innen-Pool formuliert, ohne dabei die landkreisspezifischen Ausgangsbedingungen (z.B. große räumliche Distanzen, unzureichende Anbindungen an das ÖPNV-Netz) und das im Landkreis bereits vorhandene Potenzial von Sprachmittelnden außer acht zu lassen. Die Berücksichtigung möglichst vieler Perspektiven und ein Erfahrungsaustausch mit vergleichbaren Konzepten sollten bei der Erarbeitung eines fundierten, realitätsnahen und anwendungsorientierten Konzeptes helfen. Der erste Konzeptentwurf sieht eine Vermittlungsstelle vor, die als Schnittstelle den Einsatz von Sprachmittler_innen zentral organisiert und quasi von jeder Institution im Landkreis angefragt werden kann. Zur Sicherung unabdingbarer Qualitätsstandards sollen die in einer Datenbank registrierten Sprachmittler_innen zur Teilnahme an Schulungen verpflichtet und bei Bedarf durch die Koordinierungsperson betreut werden.

Zum Projektende wurde das Konzept dem Landratsamt im Landkreis Leipzig vorgelegt, welcher bereits im Vorhinein in den Erarbeitungsprozess einbezogen worden ist. Bedauerlicherweise scheiterte die bisherige Umsetzung, woran im Wesentlichen eine fehlende Finanzierung der Koordinierungsstelle schuldig ist. Das Projekt wurde durch die Lokale Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Leipzig gefördert.

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Workshop zur Erarbeitung eines Konzepts für einen landkreisweiten Sprachmittler_innen-Pool